Welpen-Erziehung macht mega Spaß!

Die Lieben Zugeständnisse – er ist ja noch so klein!

Einem Welpen sollten nur die Zugeständnisse in seinem Verhalten gemacht werden, die auch bei einem erwachsenen Tier akzeptiert werden, und zwar allein zum Wohle des Hundes, denn alles, was er nicht kennt, wird er auch nicht vermissen. Neben dem Aufbau von Vertrauen und der Einführung der Hausordnung kann in der achten bis zwölften Lebenswoche schrittweise damit begonnen werden, den Welpen an das Alleinsein zu gewöhnen. Hat er im Vorfeld den ihm zugewiesenen Platz akzeptiert und fühlt sich dort wohl und geborgen, wird ihm dieser Lernprozess nicht allzu schwer fallen. In der Ausgabe 02/11 des Schlegel Magazins wurde unter dem Thema Tischarbeit bereits ausführlich beschrieben, wie einem Welpen erfolgreich und zuverlässig die Positionen Sitz, Platz und Steh auf dem Trainingstisch und das Wartenkönnen beigebracht werden. Sobald der Welpe diese Lernziele auf dem Tisch erreicht hat, wird mit der Bodenarbeit begonnen. Als Hilfsmittel werden eine fünf Meter lange Welpenleine und eine Decke für die Geruchsidentifikation in der Freiablage benötigt.

Die Bodenarbeit

Das wichtigste Element der Bodenarbeit besteht aus der Freiablage des Welpen und dem sicheren Rückruf. Gleichzeitig wird der Welpe auf den Zischlaut sensibilisiert. Das Ziel dieser Freiablage ist, dass der Welpe ruhig auf seiner Decke verharrt – auch dann, wenn andere Artgenossen ihren Aktivitäten nachgehen. In dieser sehr wichtigen Ausbildungsstufe eines Welpen, die höchstens eine Woche Zeit in Anspruch nimmt, soll er keinen ausgelassenen Spielkontakt zu anderen Hunden haben. Vor allem Welpenspielstunden mit einseitiger Artgenossenprägung können in dieser Phase einen größeren Schaden anrichten, als dass sie Nutzen bringen. Negative Erlebnisse mit anderen Hunden sollten jetzt möglichst vermieden werden. Das Lernpotenzial des Welpen ist in dieser Phase mit dem beschriebenen Aufbau der Beziehung zwischen Mensch und Hund mehr als ausgeschöpft.

Die Nachprägung auf Artgenossen

In der vierzehnten bis zur sechzehnten Lebenswoche kann mit der gezielten Nachprägung auf Artgenossen begonnen werden. Es ist wichtig, dass der Welpe mit einem ruhigen und sehr folgsamen Junghund in Kontakt gebracht wird. Dieser Junghund im Alter von bis zu 15 Monaten sollte perfekt im Rückruf ausgebildet sein, damit der Welpe keine negativen Erfahrungen machen muss.

Und erst danach sollte – nach kritischer Suche – eine gute Welpenschule besucht werden. Welpenkurse müssen von ausgewiesenen Fachkräften geleitet werden, die es verstehen, erzogene, erwachsene Junghunde mit in die Ausbildung einzubeziehen. Vermieden werden sollten alle Welpenschulen, die nur das sinnlose Herumtoben fördern und einen „Kaffeechränzli“-Eindruck hinterlassen. Spätestens im Alter von 10 Monaten holen ansonsten die gemachten, einseitigen Erfahrungen den Hundehalter in großer Nüchternheit zurück, weil sein Hund nur noch spielen will, wenn er Artgenossen sieht. Ein weiterer wesentlicher Anhaltspunkt für eine gute Hundeschule ist, dass der Hundehalter in den Welpenstunden als Mensch betreut wird. Auf keinen Fall sollte der Hund mit Wurst gelockt und bestochen werden. Die Persönlichkeit und Hingabe des Hundehalters müssen jetzt greifen können. Wurst wird erst in der Konditionierungsphase verwendet, nie im Beziehungsaufbau.

Durch Beobachtung und Nachahmung übernehmen die Welpen die gewünschten Verhaltensformen von den erwachsenen Tieren, sofern diese gut erzogen sind. Nun darf auch wieder gezielt mit wesensstarken Artgenossen gespielt werden, denn der Welpe ist ruhiger geworden und weiß, wo er hingehört, wo er Führung, Vertrauen und Sicherheit findet. Sein Mensch ist zu seinem fundamentalen Anker geworden, und das ist genau das Ziel. Keinesfalls werden die Welpen im Spiel sich selbst überlassen. Der Kursleiter beobachtet die Spiele der Kleinen und greift sofort ein, wenn es die Situation erfordert.

Es lohnt sich, schon vor dem Kauf eines Hundes nach einer professionellen und kompetenten Welpenerziehung zu suchen. Weder die Kosten des Kurses noch die Entfernung sollten bei der Wahl ausschlaggebend sein. Wichtig ist, sich von der Qualität zu überzeugen, denn der Preis, der bei einer falschen Wahl später gezahlt werden muss, kann sehr hoch sein.

Das ruhige Sitzen

Ein folgsamer und gelassener Hund ist der Wunsch fast aller Hundehalter. Um Ruhe, Gelassenheit und Unbefangenheit als gesetztes Ziel erreichen zu können, muss der Hund in der gleichen Form auch lernen dürfen – souverän und vorausschauend. Das ruhige Sitzen unter verschiedensten Umwelteinflüssen ist das erste und wichtigste Lernziel für eine konfliktfreie Zukunft. Oft kann bei Welpen beobachtet werden, dass sie bereits ab der vierten Lebenswoche in der Lage sind, minutenlang in sitzender Position einem Käfer nachzuschauen und seine Bewegungen genau zu beobachten. Leider wird dieses „ruhige Sitzen“ nach der Übernahme des Welpen nicht mehr gepflegt, und der kleine Hund wird von Tag zu Tag hektischer. Beim ruhigen Sitzen wird ihm vermittelt, dass alles Interessante und Gute auf ihn zukommt und es keinen Grund gibt, nach vorne zu stürmen.

In der Familienhunde-Erziehung ist das ruhige Sitzen deshalb so bedeutsam, weil sich aus dieser Ruhe heraus alle nachfolgenden Lernziele ableiten – und mit dieser Übung kann bereits mit dem Welpen begonnen werden. Je früher, desto besser. Beim ruhigen Sitzen muss der Hund in der Lage sein, solange an dem ihm zugewiesenen Platz sitzen zu bleiben, bis er vom Partner Mensch wieder abgeholt wird – unabhängig von den Außenreizen, die auf ihn einwirken. Es scheint so einfach zu sein, das Lernziel zu erreichen, und doch ist es harte Arbeit, denn es setzt seitens des Hundehalters voraus, dass er selbst konzentriert, beharrlich, beständig, gelassen und innerlich ausgeglichen ist. Die sichere Beherrschung des ruhigen Sitzens erleichtert alle weiteren Lernziele, die es braucht, um einen stressfreien Familienhund als Begleiter zu erziehen. Darüber hinaus kann das ruhige Sitzen in allen erdenklichen Alltagssituationen eingebaut werden: zuhause, vor dem Fressen oder Spaziergang oder auch wenn mit dem Hund aus dem Haus gegangen oder nach Hause gekommen wird. Wenn der Hundehalter mit Mitmenschen ein Gespräch beginnt und seinen Hund zuerst sitzen lässt, ergeben sich täglich immer neue Herausforderungen, das ruhige Sitzen solange zu fördern, bis das Lernziel sauber verankert ist.

Kommentare über “Welpen-Erziehung macht mega Spaß!

  1. Hans Schlegel sagt:

    Ich wünsche Dir viel Freude am lesen. Bei Fragen kannst Du uns gerne hier direkt schreiben.
    Herzlichst, Hans & Team

  2. Roderfeld sagt:

    Lieber Hans, hätte ich das alles vorher gewusst, hätte ich einiges anders gemacht. Danke für diese tolle Zusammenfassung und danke, dass Coco trotzdem mit deiner Hilfe eine tolle Begleiterin geworden ist.

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