Stress gehört zum Leben, aber sachlich bitte!

Stress hat emotionale Folgen für Verhalten und Leistung?

Stress verändert die Wahrnehmung. Der Hund fokussiert auf eine Sinneswahrnehmung (die im Zusammenhang mit dem verursachenden Konflikten steht) und blendet den Rest aus. Das bedeutet auch, dass er „nichts mehr hört“. Die Reizschwelle ist gesenkt (zum Teil rassespezifisch), die Reaktivität erhöht.

Stress verursacht Anspannung: Der Muskeltonus ist erhöht, durch die Muskelanspannung trägt der Hund den Kopf im Nacken hoch und geht steifbeinig in der Hinterhand. Die Verspannung überträgt sich auch auf die Stimmung, was besonders bei Begegnungen mit anderen Hunden beachtet werden sollte (selbst Hundefreunde, mit denen der Hund sonst spielt, können ihn in dieser Situation derartig stören, dass es zu einem Konflikt kommt).

Konfliktverhalten mildern

Konfliktverhalten mildern

Durch diese Konfliktverhalten ist der Hund in einem Zustand verstärkter Erregung. Er ist aufgeregt und nervös, reagiert rascher und heftiger als gewöhnlich auf Umweltreize, ist emotionaler und kann sich schlechter konzentrieren.
Erregbarkeit steigert die Reizbarkeit. Der Hund ist weniger geduldig. Seine Frustrationstoleranz ist gesenkt, seine Aggressionsbereitschaft gesteigert.

Stresssituationen fördern die Ängstlichkeit

Stresssituationen fördern die Ängstlichkeit

Es tritt vermehrte Unsicherheit auf, die Individualdistanz ist verändert (unter Umständen verträgt der Hund keine Nähe mehr), die Fluchtbereitschaft und das Ausmaß der Angst nehmen zu, und es kann zu regelrechten Panikattacken kommen.

In Bezug auf Hundeerziehung und Hundesport ist besonders zu erwähnen, dass Stresshormone starken Einfluss auf Großhirnfunktionen haben:

Hunde (und auch Menschen) lernen unter Stress schlechter, weil sie sich nicht (optimal) konzentrieren können. Die Lernvorgänge sind verlangsamt, und das Gelernte wird nicht so gut behalten. Stress induziert akute Denkblockaden.

Das Abrufen von vorhandenen Lerninhalten und das Verarbeiten und Abspeichern neuer Lerninhalte sind gehemmt, die Konzentrationsfähigkeit ist beeinträchtigt. (Es reicht schon, wenn man mal dringend „muss“, dass man/Hund sich nicht mehr konzentrieren kann!)

Leistungen des Hundes (wie beim Menschen auch) sind z. B. beim Turnier oder im Training durch Stress eingeschränkt. Dabei mangelt es an Konzentration, Verlässlichkeit und Genauigkeit. „Schlampigkeitsfehler“ treten auf.

Die Selbstkontrolle ist vermindert (z. B. Aufstehen bei einer „Bleib“-Übung), die Gesamtleistung ist verschlechtert, der Hund weniger belastbar. „Insbesondere stelle ich das beim falsch verstandenen Inseltraining fest. 90 % aller Hundetrainer in Weiterbildung, die ich lehre, können die Insel nur im territorialen Umfeld. Kundenhunde hingegen, lösen dieses Ritual mit Leichtigkeit überall. Fazit: Falsch verstandenes Leistungsdenken fördert Stress!

Die Triebregulierung - Bedingte und unbedingte Reize

Die Triebregulierung – Bedingte und unbedingte Reize

Von der Vielzahl verschiedener Sinnesreize, die ein Tier wahrnehmen kann, lösen wenige angeborene Reaktionen aus. Bei einem Hund aktivieren zuerst nur jene Reize einen Speichelfluss, die von einem Futterbrocken stammen.
 
Ein entsprechend angelernter Hund zeigt diese Reaktion schlussendlich auch auf ein anderes Signal hin (Hör – oder Sichtzeichen). Dabei muss zwischen wahrgenommenen Reizen, die von den Sinnesorganen bestimmt (bedingt) sind, und auslösenden Reizen (unbedingten) unterschieden werden.
 
Menschen (und auch Katzen) können Reize viel besser kombinieren als Hunde, die ihre Sinnesleistungen bevorzugen und dabei oft getrennt von einander entweder Geruch oder Gesicht einsetzen. Spürtalentierte Hunde verlassen sich auf ihre Geruchsleistung, auf Gesicht arbeitende Hunde, wie zum Beispiel Hetzhunde, aktivieren eher ihre auf Bewegung ausgerichteten Augen.
 
 

Angeborener Auslösemechanismus (AAM)

Angeborene Auslösemechanismen können auch als angeborenes Erkennen oder Instinkthandlungen bezeichnet werden. Es ist die Vorstellung von einer dauernd auflaufenden zentralen Erregungsproduktion, die durch zuständige Stellen permanent in Schranken gehalten wird.
 
Diese Hemmungen müssen im biologisch richtigen Augenblick beseitigt werden. Beispiel: Der Suchautomatismus eines Säuglings oder Welpen (ein rhythmisches Kopfpendeln beim Brustsuchen) wird dann gehemmt, wenn die Brustwarze der Mutter gefunden wurde.
 
Der nervengesteuerte AAM gibt den zentralen Impulsen erst beim Eintreffen bestimmter Reize die Bahnen zu den Erfolgsorganen frei. Diese von Konrad Lorenz 1936 als Schlüsselreize bezeichneten Reflexe werden durch Attrappenversuche an unerfahrenen Tieren identifiziert.
 
Der AAM, der unkontrolliert auf einfachste Reize anspricht, wird durch individuelle Erfahrungen (über das Auswählen) modifiziert. Beispiel: Ein Welpe, der zunächst wahllos nach bewegten Objekten schnappt, lernt durch Verbotszeichen, Ungenießbares zu vermeiden.
 
Erworbener Auslösemechanismus (EAM) Erfahrungen, die ein Welpe durch Lernprozesse macht, werden erworbener oder erlernter Auslösemechanismus genannt. Durch sie können völlig neue Reizreaktionsverknüpfungen entstehen. Hat er einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, legt er ein Meideverhalten an den Tag, bis er begriffen hat.

Ein Kommentar zu “Stress gehört zum Leben, aber sachlich bitte!

  1. Hans Schlegel sagt:

    Ich wünsche Dir viel Freude am lesen. Bei Fragen kannst Du uns gerne hier direkt schreiben.
    Herzlichst, Hans & Team

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