Mein Hund beisst – mit Hans Schlegel

Mein Hund beisst – Ein einzigartiges Konzept erobert die Welt!

Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen für eine nachhaltige Hundeerziehung oder Hundetrainerausbildung ist sehr hoch – mit weiterhin steigender Tendenz. Allerdings machen die unüberschaubaren Methoden es nicht gerade leicht, eine effiziente und qualitativ hochwertige Ausbildungsstätte zu finden.

Das permanente Bestechen mit Leckerlis bringt bekanntlich keinen großen und vor allem keinen nachhaltigen Erfolg. Zudem wünschen sich nahezu alle Hundehalter einen angenehmen und friedvollen Begleiter, der sich in jeder Umweltsituation problemlos führen und lenken lässt. Die wenigsten möchten einen Trick- oder Zirkushund.

Das Wesentliche der Hundeerziehung ist mittlerweile fast ganz verloren gegangen, betont Hans Schlegel. Er arbeitet nach dem Motto «weniger ist mehr» und auf der Grundlage seiner Grundprinzipien, «Der Mensch im Mittelpunkt», die den meisten Hundehaltern kaum bekannt sind.

Durch seine internationale Präsenz mit vielen Fachsymposien, bei denen Hans Schlegel als Referent und Fachexperte auftritt, ist das Interesse an seiner Ausbildung extrem angestiegen. Jährlich kommen jeweils fünfzehn Interessenten zum Genuss der Ausbildung. Pro Klasse werden maximal fünf Teilnehmer ausgebildet.

Interview mit Hans Schlegel von Tanja Häussler

Mein Hund beisst, kein Problem, wir helfen Dir.

Mein Hund beisst – Betroffene sind verunsichert

Für viele Hundehalter ist es ein ungelöstes Rätsel. Da geht man oft schon jahrelang in die Hundeschule oder auf den Trainingsplatz, und doch sind viele Halter mit den Ergebnissen nicht zufrieden.

Der Grund: Auf dem Trainingsgelände und in der Hundeschule klappt alles tadellos oder zumindest zufriedenstellend.
Sobald der Hund jedoch in seiner „normalen“ Umgebung mit Reizen konfrontiert wird, scheint er das so mühsam Erlernte plötzlich vergessen zu haben.

Dieser und noch vielen andere Fragen bin ich im folgendem Interview mit dem bekannten Tiertrainer und Hunde-Fachexperten Hans Schlegel aus der Schweiz auf den Grund gegangen.

Tanja Häussler: Hallo Hans, zunächst möchte ich mich bei Dir bedanken, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Du bist in der Hundeszene als Pionier bekannt, der die Mensch- Hund- Beziehung völlig neu definiert hat. Durch die großen Erfolge Deiner Methode orientieren sich mittlerweile viele bekannte Experten, wie der Mitbegründer von CANIS, Michael Grewe, sowie zahllose Hundeschulen an Deiner Pionierarbeit.

Dein Ansatz besteht seit genau 20 Jahren darin, dass Du den Unterschied zwischen Bindung und Beziehung klar definiert hast. Also nicht mehr Leckerlis, sondern Persönlichkeit als Basis einer erfolgreichen Mensch- Hund Beziehung nimmst. Wie bist Du darauf gekommen?

Hans Schlegel: Das war harte, jahrelange Arbeit im Alleingang. Ich arbeite bereits seit 30 Jahren nach dieser Methode, jedoch seit 20 Jahren öffentlich mit Unterlagen zum Thema. Ihr liegt das fundierte Naturprinzip der Beutegreifer «Bewegung – Disziplin – Zuneigung» zugrunde. Fast 20 Jahre lang habe ich alle Phasen des Erfolgs durchgespielt: Zuerst wurde ich belächelt, dann beneidet, dann beschimpft und verdrängt und schlussendlich für die anhaltenden Erfolge akzeptiert.

Das Verstehen der Methode setzt voraus, dass die Motivprogramme eines Verhaltens genau beobachtet und erfasst werden. Diese Arbeitsweise liegt mir seit je her im Blut, denn ich arbeite so auch mit Raubkatzen und Greifvögeln. Das Einhalten einer Methode und das Verstehen ihrer natürlichen Grundprinzipien stellen bei der Arbeit mit einem Raubtier die Lebensversicherung für den Trainer dar.

Hunde haben die genau gleichen Prinzipien, nur das Risiko, dass der Mensch bei eigenem Fehlverhalten getötet wird, ist deutlich geringer, weshalb in der Hundewelt während vieler Jahre eher auf Vermenschlichung, Locken und Bestechen gesetzt wurde. Für mich ist besonders wichtig, dass dem Tier allgemein und dem Hund im Besonderen möglichst natürlich begegnet wird, ohne die Stimme zu verstellen oder den Körper zu verrenken. Ein natürlicher, authentischer Auftritt bringt die schnellsten und nachhaltigsten Erfolge!

Mein Hund beisst  - Betroffene sind verunsichert  Für viele Hundehalter ist es ein ungelöstes Rätsel.

Mein Hund beisst – Der Umgang muss möglichst natürlich sein

Tanja Häussler: Du verzichtest beim Aufbau der Beziehung zum Hund auf gängige Hilfsmittel wie Spielzeug oder Leckerlis. Stattdessen baust Du eine Kommunikationsebene mit viel Herz und Verstand auf. Was ist der entscheidende Faktor bei Deiner Art des Aufbaus der Beziehungs-ebene?

Hans Schlegel: Auf die technischen Möglichkeiten komme ich später zu sprechen. Die Berücksichtigung der natürlichen Motivprogramme der Beutegreifer, das Verständnis zu möglichen Verhaltensänderungen und der weitestmögliche Verzicht auf die Leine, damit der Mensch als Beobachter und Leader seine Sinne schärfen kann, sind die tragenden Erfolgsfaktoren. Der Hund wiederum kann dadurch frei lernen. Nur ein freier Hund lernt die wirkliche Freiheit kennen.

Wenn Respekt und Vertrauen im Gleichgewicht sind, ist Harmonie die Ernte. Als wichtig erachte ich auch, dass die Individualität gewährleistet ist, denn jedes Mensch-Hund-Team ist ein Unikat und in der Teamarbeit einzigartig. Oft stelle ich fest, dass Lernziele ritualisiert werden. Das ist leider nicht nur Blödsinn in einem Wachstumsprozess, sondern es verlängert diesen lediglich unnötig.

Tanja Häussler: Seit Jahren arbeitest Du hoch erfolgreich ohne Leine mit den Hunden. Ein wesentlicher Punkt bei Deiner Methode ist die strikte Unterscheidung zwischen „sozialem Lernen“ und „formalem Lernen“. Kannst Du das für meine Leser genauer erläutern?

Hans Schlegel: Da muss ich etwas weiter ausholen, um die Zusammenhänge verständlich zu machen. Dass die Kynologie noch sehr wenig über die ganzheitliche Mensch-Hund-Beziehung weiß, wurde mir erstmals anlässlich einer wissenschaftlichen Studie so richtig bewusst, in die die Schweizer Kriminalpsychologin und Doktorandin Jennifer Steinbach die Mensch-Hund-Beziehung und mich im Rahmen ihrer Doktorarbeit eingebunden hatte.

Bestätigt hat sich diese weitgehende kynologische Unkenntnis sodann beim internationalen Fachsymposium in Teisendorf, an dem die Kollegen Anton Fichtelmeier, Jan Nijboer, Michael Grewe und Thomas Baumann teilgenommen haben.

Martin Rütter war ebenfalls als Referent geladen gewesen, sagte aber wegen kurzfristiger Erkrankung ab, was sehr schade war, denn wir hätten seine Arbeitsansätze und Begründungen zum Thema gerne auch gesehen, zumal jedenfalls ich ihn noch nie mit einem wirklich schwierigen Hund live und ohne Vorbereitung 1 zu 1 erlebt habe. Interessant im Vergleich waren die Methoden von Anton Fichtelmeier und Jan Nijboer, denn beide haben deutlich erkennbar über Jahrzehnte eine eigene, sich abhebende Methode aufgebaut.

Obwohl jeder von uns Experten auf seine Weise arbeitete, gab es bei Kernfragen immer wieder klare Übereinstimmungen in unseren Methoden.
Das Publikum dieses Fachsymposiums bestand vorwiegend aus Inhabern von Hundeschulen, Trainern und Tierpsychologen. Als ich in meinem Vortrag von der Mensch-Hund-Beziehung und von Motivprogrammen, Stärkeverhältnissen, Diagonalanalyse und dem Unterschied zwischen einer Bindung und einer Beziehung zu sprechen begann, sah ich in entgeisterte Gesichter.

Mir wurde gewahr, dass die Hundewelt zwar sehr viel über Hunde weiß, aber vom Wichtigsten in der Mensch-Hund-Beziehung, nämlich ihrer fundierten Differenzierung zwischen „sozialem Lernen“ einerseits und „formalen Lernen“ andererseits keine Ahnung hat. In zahlreichen nachfolgenden Gesprächen mit den Teilnehmern des Symposiums kristallisierte sich heraus, dass die allermeisten glaubten, die Neutralität eines Hundes gegenüber Umweltreizen könne durch das formale Lernen, also über „Fuß“, „Sitz“ „Platz“ und einem passenden Auslastungsmodell erzielt werden. Welch ein Irrtum!

Vor zwei Wochen hat mir eine Trittbrettfahrerin, die mein Wording aus dem Internet kopierte, folgende Mail geschrieben. “Hans es gibt doch viele Formen des sozialen Lernens so wie es Unterschiede in der Pädagogik gibt”. Ich musste Schmunzeln, denn diese Persönlichkeit hat das Thema soziales Lernen nicht begriffen, also antwortete ich folgendes. “Natürlich gibt es Möglichkeiten, benenne diese in eigener Sprache, bedenke jedoch, es gibt nur ein einziges Naturgesetz über “Ursache und Wirkung” und genau das ist die Kunst der Stunde, dieses Grundgesetz konfliktfrei in lerntechnische Kleinschritte zusammenhängend einzubauen”.

Umwelttauglichkeit kann nur über das soziale Lernen erreicht werden, also über die Glaubwürdigkeit des menschlichen Leaders gegenüber seinem Kooperationspartner Hund. Damit der Hund diese Kooperation auch lernen kann, muss er nach Möglichkeit ohne Leine in Freiheit erzogen werden.

Denn abhängig von Reiz und Situation müssen alle Wege für sämtliche Reaktionen des Hundes stets offen sein – nur so ist es möglich, den nächsten Erziehungsschritt zu definieren, der je nach Temperament und Gelassenheit des Hundes stark variieren kann. Voraussetzung dafür ist, dass Mensch und Hund möglichst natürlich miteinander umgehen und sich aufeinander beziehen, was auf der mentalen Ebene und nicht mit Leine, Schleppleine, Wurst und Spielzeug geschieht.

Mein Hund beisst, bewahre innere Ruhe

Mein Hund beisst – Gewohnheit versus Realität

Tanja Häussler: Worin liegt Deiner Einschätzung nach der Hauptgrund, dass Situationen auf dem Trainingsgelände oder in der Hundeschule nicht 1:1 auf die natürliche Umwelt des Hundes übertragen werden können? Welche Fehler werden hier gemacht? Und warum ist es so wichtig, zwischen Beziehung und Bindung zu unterscheiden?

Hans Schlegel: Der Hauptgrund liegt darin, dass das auf dem Hundeplatz  Erlernte außerhalb nicht funktioniert, Konflikte sind. Die Hundehalter werden dazu angehalten, mit dem formalen ausbilden anstatt mit dem sozialen erziehen zu beginnen. Sobald der Hund sich in der Obhut seines Halters befindet, wird „versucht“:

Es wird versucht, ihm mit Futter das „Sitz“ beizubringen, ihn zu sich zu locken, damit er anschließend an der Leine eingeschränkt werden kann, und so weiter und so fort – und am Schluss ist der Halter nur noch froh, wenn der Hund überhaupt zu ihm kommt.

In der Welpenschule geht das Desaster weiter. Dort wird versucht, den Welpen an andere Hunde zu gewöhnen – der Mensch wird dabei meistens im Regen stehen gelassen. Dann versucht der Halter, seinen Hund von der mobbenden Hundegruppe wegzulocken – mit Leckerlis, versteht sich. Im ersten Erziehungskurs wird weiter versucht, den Hund mittels Locken und Bestechen dazu zu bringen, an der Leine zu gehen, „Sitz“ und „Platz“ zu machen und was nicht sonst noch alles.

Niemand merkt, dass der Hund ohne Locken gar nicht mehr funktioniert. Wenn die ersten Schwierigkeiten auftreten, sind die Hundetrainer heillos überfordert, und weil niemand mehr weiter weiß und der Hund in der Erziehungsgruppe störend geworden ist, wird versucht, Hund und Halter in die „Plausch- oder Spiel- und Spaßgruppe“ zu verschieben. Der Anfang eines unschönen Endes hat begonnen …

Soziales Lernen beginnt beim Hundehalter. Die meisten wissen, was sie nicht wollen, tun sich aber schwer, genau zu formulieren, was sie wollen. Soziales Lernen heißt: Wir versuchen nichts, sondern tun etwas, damit wir gemeinsam Schritt für Schritt ans Ziel kommen. Das bedeutet: Wir verkaufen unsere Seele und Persönlichkeit nicht für ein Stück Wurst.

Wir setzen uns mit dem Hund auseinander und uns auch durch. Dafür geben wir viele herzliche und sanfte Streicheleinheiten – wir bringen uns ein. Das Resultat: Durch Respekt und Vertrauen entsteht eine harmonische Beziehung.

Der Hund hat verstanden, dass sein menschlicher Partner sehr lieb ist, jedoch sämtliche Ressourcen kennt, sich immer und überall konsequent durchzusetzen. Merkst du jetzt den Unterschied dieser beiden lerntheoretischen Ansätze? Locken und Bestechen führt bestenfalls zu einer materiellen Bindung, wenn kein Reiz auf den Hund wirkt. Aber genau dann, wenn es darauf ankommt, funktioniert es nicht. Zusammengefasst ausgedrückt: Die Mehrzahl der Hundehalter hat in reizarmer Umgebung eine liebevolle, materielle Bindung zu ihrem Hund – bei reizstarker Umgebung jedoch eine katastrophale Beziehung!

Mein Hund beisst, sichere Deine Umwelt.

Mein Hund beisst – Authentisch sein ist ein Joker

Tanja Häussler: Ein Ansatz Deiner Methode ist auch, den Hund beim „sozialen Lernen“ nicht mit Leckerlis zu belohnen. Kann die Belohnung mit Futter dazu führen, dass das Erlernte zu einer territorialen Verknüpfung führt?

Hans Schlegel: Das ist die Krux der falschen Vorgehensweise. Bevor das soziale Lernen nicht abgeschlossen ist, sollte nicht mit dem formalen Lernen angefangen werden. Im sozialen Lernen wird zwar auch mit Futter konditioniert, aber nur eine bestimmte Zeit lang, nämlich genau neun Trainingseinheiten, und dann beginnt die Verankerung. In der Verankerungszeit gibt es bei korrekter Ausführung ein ruhiges, herzliches verbales Lob.

Futter allein lässt sich nur territorial verknüpfen, jedoch erreicht die Neutralität auf Reizsituationen nicht. Es ist mehr das Verhalten der Menschen, die Erfolg und Misserfolg mitbestimmen. Auf dem Trainingsplatz sind sie viel konzentrierter und lockerer als auf der Hundewiese oder auf dem Spaziergang, und das merkt der Hund.

Wer mit Futter lockt und besticht, darf sich nicht wundern, wenn ein Hase das Interesse des Hundes mehr weckt als sein Wurstspender Mensch und der Hund ihn dafür entsprechend wie eine große Wurst im Walde stehen lässt. Wenn der Hund dann endlich wieder da ist und dafür auch noch eine Wurst bekommt, dann ist das Dilemma perfekt. Auf diese Weise entstehen sogenannte Brücken, die territorialorientierte Charaktere formen.

Tanja Häussler: Wenn Hundehalter registrieren, dass das ganze Training ihnen nicht weiterhilft, wenn der Hund Umweltreizen ausgesetzt ist, reagieren sie oft mit Frustration. Für diese Halter bedeutet diese Erkenntnis ein großes Problem, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Der Hund spürt natürlich sehr genau die Gefühlslage seines Menschen. Wird dadurch das nicht erwünschte Verhalten des Hundes nicht noch verstärkt, so, dass daraus ein regelrechter Teufelskreislauf entsteht?

Hans Schlegel: Und ob, denn die „Wurstfraktionen“ haben verlernt, sich selbst herzlich zu loben. Also stecken sie ihr Herz in die Wurst und ihre Energie in den verbalen, emotionsgeladenen Tadel, was beim Hund, weil keine konkrete Handlung auf ein Fehlverhalten folgt, sondern nur emotional gepflasterte Ignorier-Versuche, als Zuneigung interpretiert wird.

Folgende Verknüpfung entsteht beim Hund: Je mehr Blödsinn ich mache, desto mehr werde ich beachtet und betreut – ein immer schlimmer werdender „Teufelskreis“ ist in Gang gesetzt. Wird dann nach der Standpauke nochmals gelockt, ist bereits die Mitte des „Teufelskreises“ erreicht: Die Betroffenen beginnen zu jammern, und der Hund hat seinen lieben Spaß an der Sache. Es ist unmöglich, zu jammern und gleichzeitig zuzulassen, dass einem der Hund permanent auf der Nase herumtanzt!

Tanja Häussler: Wie kann mir die von Dir entwickelte Distanzkontrolle mit dem Wurfbeutel dabei behilflich sein, dass der Hund in jeder Umweltsituation neutral reagiert?

Hans Schlegel: Sehr wenig! Es ist das Tun und die damit verbundene innere Einstellungsänderung des Halters, die die Veränderung zum Positiven bewirkt. Ich habe schon Weinkorken genommen, um das Ergebnis zu prüfen – mit gleichem Erfolg. Warum Wurfbeutel?

Wenn der Wurfbeutel, weit über den Hund geworfen, dadurch einen Schrankeneffekt beim Hund auslöst, was schlussendlich den Triebabbruch verursachen soll, dann muss er später mit einem Apportierspiel neutralisiert werden können. Das geht mit Korkzapfen, wie wir Schweizer sagen, weniger gut. Einen Wurfbeutel an einer Schnur kann ich – anders als einen Weinkorken – sicher auf bis zu zwanzig Meter werfen und mir dadurch beim Hund auch auf Distanz präzise den notwendigen Respekt und Zugang verschaffen.

Mein Hund beisst, stehe zu Deiner Ausgangslage.

Mein Hund beisst – Souveränität ist ein guter Lehrer

Tanja Häussler: Wie wichtig ist es für den Hund, dass er die Souveränität und stetige Kontrolle seines Menschen in jeder Situation spürt?

Hans Schlegel: Souveränität und Kontrolle polarisieren sich. Allein schon, wenn sich der Hundehalter nur selbst unter Kontrolle hält, ist er bereits souverän. Der Hund spürt diese Stärke, die von innen kommt, augenblicklich und fühlt sich wohl. Ein souveräner Mensch strahlt innere Gelassenheit und Ruhe aus. Diese Kraft zieht den Hund wie einen Magneten an. Der Hund beginnt, sich seinem Leader anzubieten.

Das Ergebnis sind Freude, Spaß und Harmonie. Eine Beziehung kann nicht mit „Fuß – Sitz – Platz“ erreicht werden. Sie kann nur wachsen – und dazu müssen sich zwei Lebewesen aufeinander beziehen. Wer permanent nach seinem Hund gucken muss, ist nicht stark, sondern eine Konfliktschleuder!

Tanja Häussler: Ich kann in letzter Zeit einen deutlichen Trend hin zur teilweise übersteigerten Körpersprache des Menschen in der Kommunikation mit dem Hund erkennen. Rufsignale werden nur noch eingesetzt, wenn der Hund die körpersprachlichen Signale seines Menschen ignoriert oder einfach nicht wahrnimmt. Grundlage ist die Erkenntnis, dass Hunde untereinander eben auch überwiegend mit Gesten und mit Körpersprache kommunizieren. Was ist Deine Meinung dazu?

Hans Schlegel: Das ist ein neuer Trend. Die Körpersprache stellt eine sehr starke Kommunikationsform dar, die allerdings voraussetzt, dass die Persönlichkeit, die sich diese Sprache zunutze macht, auch überzeugen kann. Menschen, die ihren „Leichnam“ am Morgen aus dem Bett schleppen und durch den Tag schleifen und überglücklich sind, dass sie ihn am Abend wieder ins Bett bringen können, sind meiner Ansicht nach „temperamentlose Menschen“ und können Körpersprache üben, solange sie wollen: Kein Hund wird auf ihre Signale jemals ansprechen.

Selbstbewusste Menschen dagegen müssen diese Sprache nicht lernen, sie leben diese Sprache von Haus aus authentisch mit der Folge, dass ihnen der Hund freudig folgen will. “Wir müssen unsere Hunde weniger mit Signalen füttern, sondern ihnen einen Grund geben, uns nicht zu verlassen”. So kommunizieren Artgenossen untereinander. Das heisst, einer muss besser sein als der Hund. In der Mensch-Hund-Beziehung ist es oft andersrum. Der Hund erzieht den Menschen – und das sehr konsequent!

Mein Hund beisst, beginne einen erfolgreichen Lernprozess.

Mein Hund beisst – In der Ruhe liegt die Kraft

Tanja Häussler: Ebenfalls ein neuer Trend ist, dass der Hund sein Fressen nicht mehr einfach so, sondern nur noch als Belohnung für eine Leistung erhält, so zum Beispiel für das Apportieren eines Gegenstandes oder für Ausführen eines Befehls. Was hältst Du davon?

Hans Schlegel: Dieser Trend während des Erziehungsprozesses ist schlichtweg Unfug, denn es wurde schon vor längerer Zeit wissenschaftlich belegt, dass diese Vorgehensweise allen lerntheoretischen Grundsätzen widerspricht. “In der Ruhe liegt die Kraft – in der Auslastung das Chaos”. Apportierspiele nach Abschluss des sozialen Lernens sind tolle Auslastungsmodelle, die den Hund „bei Laune“ halten. Apportier- und Suchspiele fördern aber vor allem seine Kooperationsbereitschaft nach dem sozialen Lernen.

Lieber Hans, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für dieses Interview genommen hast und vielen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche Dir mit Deinen Ansätzen weiterhin tolle Erfolge und wünsche Dir für die Zukunft alles Gute!

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Ein Kommentar zu “Mein Hund beisst – mit Hans Schlegel

  1. Hans Schlegel sagt:

    Liebe Petra,
    wenn ich schreibe, dass ich aus der Sicht des Hundes schreibe, heisst das nicht, dass der Mensch nicht wichtig ist. Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt! Doch aus der Sicht des Hundes die Menschen zu begleiten, öffnet nicht zuletzt das Verständnis in objektiver Sicht, damit gemeinsame Ziele erreicht werden. Hundeerziehung hat ja schliesslich nichts mit Schwerarbeit zu tun, sondern soll beiden Spass machen, weil sie miteinander kommunizieren.
    Liebe Grüsse, Hans

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