Die große Freiheit beginnt!

Nur ein freier Hund lernt die große Freiheit kennen

Krissi Emich: Seit Jahren arbeiten Sie ohne Leine mit den Hunden und unterscheiden dabei strikt zwischen Sozialem Lernen (Hundeerziehung) und Formalem Lernen (Hundeausbildung). Wie begründet sich diese Trennung, die Ihnen so große Erfolge gebracht hat?

Hans_470X330_12

Hans Schlegel: Da muss ich etwas weiter ausholen, um die Zusammenhänge verständlich zu machen. Dass die Kynologie noch sehr wenig über die ganzheitliche Mensch-Hund-Beziehung weiß, wurde mir erstmals anlässlich einer wissenschaftlichen Studie so richtig bewusst, in die die Schweizer Kriminalpsychologin und Doktorandin Jennifer Steinbach die Mensch-Hund-Beziehung und mich im Rahmen ihrer Doktorarbeit eingebunden hatte. Wir hatten in dieser Studie über 300 Teams analysiert.

Bestätigt hat sich diese weitgehende kynologische Unkenntnis sodann beim internationalen Fachsymposium in Teisendorf im Mai 2008, an dem die Kollegen Anton Fichtelmeier, Jan Nijboer, Michael Grewe und Thomas Baumann teilgenommen haben.

Das Publikum dieses Fachsymposiums bestand vorwiegend aus Inhabern von Hundeschulen, Trainern und Tierpsychologen. Als ich in meinem Vortrag von der Mensch-Hund-Beziehung und von Motivprogrammen, Stärkeverhältnissen, Diagonalanalyse und dem Unterschied zwischen einer Bindung und einer Beziehung zu sprechen begann, sah ich in entgeisterte Gesichter und wurde gewahr, dass die Hundewelt zwar sehr viel über Hunde weiß, aber vom Wichtigsten in der Mensch-Hund-Beziehung, nämlich ihrer fundierten Differenzierung zwischen Sozialem Lernen einerseits und Formalem Lernen andererseits wenig Sachkunde hat.

In zahlreichen nachfolgenden Gesprächen mit den Teilnehmern des Symposiums kristallisierte sich heraus, dass die allermeisten glaubten, die Reiz-Neutralität eines Hundes gegenüber Umweltreizen könne durch das Formale Lernen, also über „Fuß“, „Sitz“ und „Platz“ und Auslastung erzielt werden.

Welch ein Irrtum! Umwelttauglichkeit kann nur über das Soziale Lernen erreicht werden, also über die Glaubwürdigkeit des menschlichen Leaders gegenüber seinem Kooperationspartner Hund. Damit der Hund diese Kooperation auch lernen kann, muss er ohne Leine in Freiheit erzogen werden. Denn abhängig von Reiz und Situation müssen alle Wege für sämtliche Reaktionen des Hundes stets offen sein – nur so ist es möglich, den nächsten Erziehungsschritt zu definieren, der je nach Temperament und Gelassenheit des Hundes stark variieren kann.

Voraussetzung dafür ist, dass Mensch und Hund möglichst natürlich miteinander umgehen und sich auf einander beziehen und einlassen, was auf der mentalen Ebene und nicht mit Leine, Schleppleine, Wurst und Spielzeug geschieht.

Ein Kommentar zu “Die große Freiheit beginnt!

  1. Hans Schlegel sagt:

    Ich wünsche Dir viel Freude am lesen. Bei Fragen kannst Du uns gerne hier direkt schreiben.
    Herzlichst, Hans & Team

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.