Junghunde sind eine Herausforderung

Das Beute-tragen-lassen

Das Jagen von flüchtendenObjekten ist für den Hund ein natürliches Verhalten, für seinen Halter und dessen Umwelt stellt es jedoch ein störendes Verhalten dar. Ziele einer Umlenkung unerwünschten Jagdverhaltens sind, die Jagd in Form einer Kooperation durch gemeinsame Apportierspiele zu fördern und das Jagen nach lebenden Objekten zu unterbinden. Das Beute-tragen-Lassen bedeutet zudem insbesondere für den Welpen, dass er sich mit seinem Halter auseinandersetzt. Schließlich werden mit dem Tragen einer Beute auch Fremdreize neutralisiert. Am besten eignet sich als Beute ein Stück Schlauch, das dem Hund auf dem Spaziergang ab und zu in den Fang gegeben wird, damit er es tragen darf. Durch das Annehmen und Tragen des Schlauchs geht der Hund, selbst wenn er großen Reizen ausgesetzt ist, automatisch Konfliktsituationen aus dem Weg, weil er seine Beute nicht teilen will.

Die Triebe

Triebe sind unbewusste Impulse zu biologisch zweckmäßigen Dranghandlungen und Strebungen, die im Dienste wichtigster Lebensfunktionen stehen und sowohl mit körperlichen als auch mit seelischen Vorgängen verbunden sind. Sie setzen als vitale Triebkräfte das Handeln in Gang und lösen damit das Umweltverhalten aus – oder nicht. Triebe sind angeboren. Es werden folgende Triebe unterschieden:

Der Jagdtrieb ist der Drang, geruchlich oder optisch wahrgenommenes Wild aufzusuchen und zu verfolgen. Er geht auf den Wildhund zurück und wurzelt ursprünglich im Ernährungstrieb.

Der Spürtrieb enthält die Bereitschaft, eine Wild- oder Menschenfährte aufzunehmen, und das Bestreben, diese mit tiefer Nase freudig und ausdauernd zu verfolgen. 

Der Stöbertrieb ist die Eigenschaft, unter Mitbenutzung von Auge und Ohr, ohne Beachtung von Bodenfährten, eine Wild- oder Menschenwitterung in der Luft aufzunehmen und sie mit hoch getragener Nase zu verfolgen.

Der Beutetrieb ist dem Jagdtrieb nahe verwandt. Er beinhaltet das Bestreben, Wild nicht nur zu jagen, sondern auch Beute zu machen, respektive das Wild zu fassen und zu töten.

Der Meutetrieb ist ein ursprüngliches Bestreben unter Artgenossen, sich zu einer Gemeinschaft (Meute) zusammenzuschließen, an die sich jeder Einzelne gebunden fühlt. Beim Haushund können andere Tiere oder der Mensch als Ersatz an die Stelle der Artgenossen treten.

All diese Triebe und Eigenschaften unterstützen das gewünschte Jagen ebenso wie das unerwünschte Nachjagen von Wild, Katzen, Joggern, Radfahrern usw. Das heißt, diese Triebeigenschaften können nicht korrigiert, sondern nur wirkungsvoll und gezielt über entsprechende Lernprozesse umgelenkt werden. Mental wird dem Hund folgendes assoziiert:

Durch eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung entsteht gegenseitiges Vertrauen und Respekt.

Das Ausbilden und Vermitteln von klaren Koordinaten durch den Partner Mensch vertieft die Kooperationsbasis.

Durch das Anbieten von gemeinsamen Jagdspielen (Apportier- und Suchspiele) lässt sich das Jagen nach Fluchttieren in den meisten Fällen problemlos umlenken.

Das Lernprogramm

1. Ruhiges Sitzen in allen Situationen. Der Hund muss vor der Begrüßung, vor Streicheleinheiten, vor dem Füttern, vor Reizsituationen und auch vor dem Spielen immer und überall eine bis drei Minuten ruhig sitzen.

2. Reaktionsschärfung auf Kommando. Durch das gezielte Schlauchspiel wird das unerwünschte Jagdverhalten in ein erwünschtes und gemeinsames Jagen nach der Beute umgelenkt und konfliktfrei kanalisiert.

3. Blitzschnelles Platz aus der Bewegung verankert die Lernziele und unterstützt einen Triebabbruch bei unerwünschtem Jagdverhalten.

4. Richtiges Konfrontieren lenkt die Bedeutung des Objektes für den Hund in die gewünschte Richtung. Er verbindet das Objekt mit seinem Halter. Die richtige Ausführung der Konfrontation beinhaltet:

a) Selbsterfahrung
b) kontrollierte Konfrontation
c) gezielte Konfrontation

Bei den Konfrontationen ist es überaus wichtig, dass der Hundehalter gut vorbereitet und unterstützt wird. Hier liegt die Schlüsselstelle zum Erfolg, weil die innere Sicherheit und das eigene Selbstbewusstsein gefördert werden, was wiederum das Verhalten des Hundes steuert. Wenn ein Hund regelmäßig unerwünschtes Jagen zeigt, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um den Menschen hinter der Leine zu stärken.

Das Apportierspiel

Die meisten Welpen lieben schnelle Apportierspiele. Diese kooperative Zusammenarbeit bereitet ihnen viel Spaß, weil sie verschiedene seiner natürlichen Triebanlagen direkt anspricht. Mit dem Apportierspiel kann der Hund auf eine spielerische, motivierende Weise auf den Rückruf – und die positive Reaktion auf Kommandos generell – sensibilisiert und konditioniert werden. Er lernt, auf das erste Hier-Kommando zu seinem Halter zurückzukommen. Im Alltag ist diese Zuverlässigkeit in jeder Situation von elementarer Bedeutung.

Viele Hunde können durch Apportierspiele sehr gut motiviert werden. Mit dem Hetzen eines Spielzeugs wird ihr Jagdtrieb angesprochen, das Greifen dieses Gegenstandes entspricht ihrem natürlichen Beutetrieb. Ebenso gibt ihnen die Natur vor, eine Beute zum Leader zurückzubringen und sich auf diese Weise in eine natürliche Form der Unterordnungsbereitschaft mit positiver Erwartungshaltung zu begeben. Apportierspiele sind genau auf diesen Anlagen aufgebaut und zählen zu den wichtigsten Auslastungsmodellen eines Hundes. Der Motivationsgegenstand muss gut geworfen werden können. Als Beute eignen sich vor allem der Boudin (Beißwurst) oder Schlauchstücke von einer Länge von vierzig Zentimetern. Beide Gegenstände sind weich, können leicht umfasst werden und werden von den meisten Hunden gerne angenommen. Wichtig ist, dass der Hund bereits einen Bezug zu diesem Spielzeug hat. Sein Interesse dafür muss schon geweckt worden sein.

Apportierspiele brauchen Temperament. „Es gibt für einen Hund nichts Schlimmeres als einen temperamentlosen Menschen.“

Ein Kommentar zu “Junghunde sind eine Herausforderung

  1. Hans Schlegel sagt:

    Ich wünsche Dir viel Freude am lesen. Bei Fragen kannst Du uns gerne hier direkt schreiben.
    Herzlichst, Hans & Team

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